Dietrichswalde liegt auf halbem Wege zwischen Osterode (Ostróda) und Allenstein (Olsztyn), am südlichen Rande des Ermlands, umgeben von kleinen Hügeln am Gilbing, einem rechten Nebenfluss der Passarge. Die Gründungsurkunde für das Dorf wurde vor gut 650 Jahren, am 29. Mai 1352 vom Ermländischen Domkapitel ausgestellt. Ein Jahr darauf wurde die Stadt Allenstein gegründet.
Am Anfang erbaute man auf einer kleinen Anhöhe, die sanft zum Fluss hin abfiel, eine hölzerne Kapelle. Als Seelsorger wird Pfarrer Johannes Sterchen erwähnt. Im Krieg zwischen Polen und dem Deutschen Orden werden Dorf und Kapelle zerstört.
Im 15. Jh. wurde dann eine einschiffige Kirche auf einer Grundmauer aus Feldsteinen errichtet, die um 1500 von Weihbischof Johannes Wilde auf den Titel „Mariä Geburt“ geweiht wurde. Sogleich entwickelte sich in Dietrichswalde eine Marienverehrung, die bis heute anhält.

In südlicher Richtung zum Fluss hin standen vereinzelt kleine und größere Häuser. Darin wohnte die fromme ermländische Bevölkerung, die aus dem Kulmer Land und Masowien hierher gezogen war und sich mit der einheimischen pruzzischen vermischt hatte. Nach Kriegen und Epidemien wurden die Gebiete durch die Administratoren des Domkapitels neu besiedelt, einer von ihnen war Nicolaus Copernicus. „Hier waren alle katholisch“ – schrieb Pfarrer Augustin Weichsel, außer dem Gendarm und zwei Männern. Zur Pfarrei gehörten acht Dörfer, an jedem Donnerstag war Markt.

Die Kirche wurde mehrmals umgebaut. Die erste große Renovierung fand schon im 16. Jh. statt, in der Barockzeit erhielt die Kirche dann neue Altäre. Um die Mitte des Jahres 1790 gab Bischof Ignacy Krasicki der Kirche drei neue Patrone: den Hl. Evangelisten Johannes und die Hll. Apostel Petrus und Paulus. Im 19. Jh. baute der damalige Pfarrer Josef Jordan die Kirche aus, indem Fundament und Mauerwerk befestigt wurden. Ihre heutige Gestalt in Form eines römischen Kreuzes anstelle des vorigen Rechtecks erhielt die Kirche direkt nach den Marienerscheinungen, als Augustin Weichsel Pfarrer war.

Damals wurde auch der hölzerne Turm abgebrochen und ein Turm aus Backstein mit einer gotischen Bekrönung errichtet. Die Kirche wurde mit Dachpfannen und der Turm mit Blech bedeckt. Seit dem 13. August 1945 sind die Regulierten Chorherrn vom Lateran aus Krakau die Hüter des Wallfahrtsortes. Sie renovierten den Platz rund um die Kirche und vor der Hundertjahrfeier der Marienerscheinungen das gesamte Innere der Kirche: u.a. wurde ein neuer Marmorfußboden gelegt und die Malereien erhielten wieder ihren ursprünglichen Glanz.

Der Ausbau der Kirche in Dietrichswalde wurde immer mit Bedacht durchgeführt, ohne ihren einzigartigen Charakter zu beeinträchtigen. Obwohl ihre Grundfläche bedeutend vergrößert wurde,  blieb doch ihre ruhige und reguläre Anlage erhalten; auch die Innenausstattung wurde nicht verändert. Die erneuerten alten Bilder und Malereien helfen den Pilgern in Gebet und Betrachtung. Es herrscht eine authentische Schlichtheit. Über allem steht das Bild der Gottesmutter von Dietrichswalde in Form einer Madonna, die das Jesuskind auf ihrem Arm hält, bekleidet mit einem silbernen Gewand. Zum ersten Mal wird das Bild im Jahre 1568 erwähnt. Später wurde es mehrfach restauriert. Das Jesuskind segnet mit der rechten Hand, die linke stützt es auf ein Buch. Über der Krone der Madonna halten zwei Engel eine Schleife mit der lateinischen Inschrift: „Ave Regina Cælorum, ave Domina Angelorum“ (Gegrüßet seiest du, Königin des Himmels, gegrüßet seiest du, Herrin der Engel).

Dietrichswalde wurde berühmt durch die Erscheinungen der Gottesmutter. Es übernahm die Pilger des 1875 geschlossenen Klosters in Lonk (£±ki) bei Neumark (Nowe Miasto), wo sich eine im Jahre 1752 gekrönte Gnadenfigur der Muttergottes befand. Da die preußischen Behörden 1876 den Gläubigen aus Westpreußen verboten hatten nach Lonk zu kommen, pilgerten auch sie ins entfernte Dietrichswalde.   

Die Erscheinungen in Dietrichswalde fanden 19 Jahre nach Lourdes statt und dauerten vom 27. Juni bis 16. September 1877. Die Seherinnen waren die 13-jährige Justyna Szafrynski und die 12-jährige Barbara Samulowski, die beide aus armen polnischen Familien stammten. Die Gottesmutter sprach zu ihnen polnisch, was Pfarrer Franz Hipler betonte: „in der Sprache, die man in Polen spricht“.

Kurzgefasst war der Verlauf der Erscheinungen so: Das erste Mal erschien die Gottesmutter der Justyna, als sie mit ihrer Mutter von der Prüfung vor der Erstkommunion zurückkehrte. Am nächsten Tag sah auch Barbara Samulowski während des Rosenkranzgebets die „Leuchtende Frau“ mit dem Jesuskind inmitten der Engel auf einem Thron sitzend in dem Ahornbaum vor der Kirche. Auf die Frage der Mädchen: „Wer bist du?“ antwortete sie: „Ich bin die unbefleckt empfangene selige Jungfrau Maria!“ Und auf die Frage: „Was verlangst du Mutter Gottes?“ erwiderte sie: „Ich wünsche mir, dass ihr täglich den Rosenkranz betet!“

Unter den vielen Fragen über Gesundheit und Erlösung verschiedener Personen, stellten die Kinder auch solche wie: Wird die Kirche im Königreich Polen befreit?“ „Werden die verwaisten Pfarrgemeinden im südlichen Ermland bald wieder Priester bekommen?“ Als Antwort hörten sie: „Ja, wenn die Menschen eifrig beten, dann wird die Kirche nicht verfolgt und die verwaisten Gemeinden erhalten Priester!“ Die Aktualität der Fragen bestätigte die Verfolgung der katholischen Kirche im Königreich Polen unter dem Zaren nach dem Januaraufstand und die Begrenzung ihres Einflusses im preußischen Teil zur Zeit des Kulturkampfes. Die Antworten der Muttergottes brachten den Polen damals Trost. Sie haben sich tatsächlich erfüllt und darum haben die Polen aus allen Gegenden so zahlreich Dietrichswalde besucht. Aus diesem Grund reagierten die preußischen Behörden entschieden negativ auf die Erscheinungen. Die örtliche Verwaltung, die deutsche Presse und ein Teil des Klerus hielten sie, wie Bischof Jan Ob³±k schrieb, für eine politische Manifestation, eine nationalpolnische Demonstration, für Betrug und Aberglaube und gefährlich für den Staat, den Fortschritt und die öffentliche Ordnung. Gegen polnische Pilger und Priester und vor allem gegen den Ortspfarrer Augustin Weichsel wurden verschieden Strafen verhängt: Gefängnis, Geldstrafen und die Suspendierung von der Ausübung der Seelsorge. Für die Dietrichswalder Ereignisse interessierte sich der damalige Ordinarius der Diözese Bischof Philippus Krementz. Zuerst forderte er vom Pfarrer einen ausführlichen Bericht, dann schickte er Domherren nach Dietrichswalde um an den Rosenkranzandachten teilzunehmen, die Seherinnen während der Erscheinungen zu beobachten, ihre Aussagen zu protokollieren sowie Eindrücke von Pilgern und Geistlichen zu sammeln.

Die Berichte der bischöflichen Gesandten bestätigten, dass bei den Erscheinungen keine Rede von Betrug und Lüge sein kann und die Mädchen sich normal verhalten. In ihrer Haltung gibt es weder Scheinheiligkeit noch die Absicht auf Gewinn oder Achtung. Sie zeichneten sich durch Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Einfalt aus, wie berichtet wird.

Eine erste Erwähnung der Dietrichswalder Erscheinungen erschien im Pelpliner „Pielgrzym“ (Pilger) vom 10. Juli 1877. In einer kurzen Notiz werden sie mit dem verglichen, was sich ein Jahr zuvor in Marpingen ereignet hatte. Der Autor des Textes könnte der Redakteur der Zeitschrift selbst sein, Stanis³aw Roman, der anschließend Andrzej Samulowski dabei half eine Buchhandlung zu gründen. Später erschienen auch längere Veröffentlichungen. Der Erzbischof von Ermland Dr. Edmund Piszcz schrieb 1977 in den „Studia Warmiñskie“ (Ermländische Studien), dass der „Pielgrzym“ gut und ehrlich seine Aufgabe gegenüber den westpreußischen Lesern, den Gläubigen der Diözese Kulm (Che³m) erfüllt hat. Er schloss sich in seinen Berichten der Meinung an, dass das, was in den Sommermonaten des Jahres 1877 in Dietrichswalde geschehen ist, Tatsache und Wahrheit ist.

  Der Einfluss der Erscheinungen auf das Ermland war enorm. Vor allem erfolgten eine Wiederbelebung der Sitten und  eine Vertiefung des religiösen Bewusstseins der Gläubigen. Fünf Jahre nach den Ereignissen schrieb Pfarrer Augustin Weichsel in einem Bericht vom 27. September 1882: „nicht nur meine Pfarrei, sondern die ganze Umgebung ist nach den Erscheinungen frommer geworden. Ein Beweis dafür ist das gemeinsame Rosenkranzgebet in allen Häusern, der Eintritt vieler Personen ins Kloster, ein regelmäßiger Gottesdienstbesuch (...) Die guten Auswirkungen der Erscheinungen verbreiteten sich überall, durchdrangen auch Kongresspolen und Russland (...) Eine klare Folge war der Brauch täglich in Gemeinschaft den Rosenkranz zu beten. Im südlichen Ermland wurde der Rosenkranz fast in allen Häusern gebetet, ähnlich war es in vielen Pfarreien der Diözesen Kulm, Posen und Breslau“. Im Dorf am Gilbingfluss selbst betete man dreimal täglich den Rosenkranz in der Kirche: morgens, mittags und abends. Außerdem gab es viele Bekehrungen und Konversionen und einen häufigen Empfang der hl. Sakramente. 

Große Veränderungen gab es im gesellschaftlich-politischen Leben. Die Erscheinung der Muttergottes wurde als eine Erweckung des nationalen Bewusstseins einiger örtlicher Ermländer gewertet, die sich nun zu den Polen aus anderen Gegenden hingezogen fühlten. „Da die Heilige Jungfrau zu den Mädchen polnisch gesprochen hat, ist es eine Sünde, wenn irgendjemand seiner Muttersprache als einer Gabe Gottes abschwören würde!“ Dieses Argumentes bedienten sich die nationalpolnischen Aktivisten im südlichen Ermland, als sie 1885 ein Gesuch einreichten und Versammlungen organisierten um in den Volksschulen die polnische Sprache einzuführen. Später wurde das mehrfach in der „Gazeta Olsztyñska“ und vor den preußischen Parlamentswahlen wiederholt, bei denen man sich um die Stimmen für einen polnischen Kandidaten bemühte. Immerhin war das Begründung, die einen starken Einfluss auf die bäuerlichen Vorstellungen hatte.

Die Verehrung der Gottesmutter wuchs und breitete sich immer mehr aus. Jedes Jahr kamen am 29. Juni, 15. August und 8. September Pilgerscharen aus verschiedenen Ländern nach Dietrichswalde, wo sich ihre Wege trafen und sie alle Stärkung suchten. Auch aus vielen ermländischen Pfarreien führte der Opfergang hierher. Der große Zustrom der Pilger veranlasste die nachfolgenden Pfarrer: Julius Weichsel, ein Neffe von Augustin Weichsel, Johannes Hanowski, Hieronimus Nahlenz und Franz Klink zum Ausbau des Wallfahrtsortes. Noch während der Erscheinungen wurde am 16. September 1877 an der Stelle, an der sich die Muttergottes den Kindern zeigte, eine kleine Kapelle mit einer Marienfigur errichtet. Diese wurde in München gefertigt und bereits mehrfach restauriert, zuletzt im Jahr 1977.

Zur Quelle führt eine Weißbuchen-Allee, auf der sich fünfzehn Bildstöcke mit den Rosenkranzgeheimnissen befinden. Die alten wurden 1977 durch neue ersetzt, die Julian Kasprzycki aus My¶lenice nach einem Entwurf von Sylwester Kwiatkowski aus Bia³ystok angefertigt hat.

Aus der von der Gottesmutter am Abend des 8. September 1877 gesegneten Quelle schöpfen die Pilger seit mehr als 125 Jahren Wasser, welches den Leidenden Linderung schafft und vielen die Heilung brachte. Der Segnungsakt wurde durch eine Figur der Unbefleckten Jungfrau in einer Laube verewigt. Links und rechts davon wird das Wasser in schalenförmige Springbrunnen geleitet, die von Engeln mit Hirtengesichtern getragen werden. Im Jahre 1946 erzählte der aus Dietrichswalde stammende Pfarrer Franz Silakowski, dass er mit drei Freunden das Vieh auf der Weide gehütet hat als die Figuren hergestellt wurden. Der unbekannte Künstler hat die Jungen gebeten dafür Modell zu stehen. Sie selbst fassten an der Quelle den Entschluss nach Beendigung des Gymnasiums ins Priesterseminar einzutreten; und so geschah es. Außer dem 1977 in der Bundesrepublik verstorbenen Pfarrer Silakowski, könnte es sich um Josef Wrona aus dem nahen Nagladden (Naglady) sowie Edmund Hinzmann und Alois Junker aus Woritten (Woryty) handeln. An der Quelle befinden sich drei Marmor-Flachreliefs, die Mose zeigen, wie er mit dem Stab an den Felsen schlägt und Wasser daraus hervorkommt, und die Israeliten, wie sie in der Wüste das Wasser trinken.

Mit dem Bau eines Pilgerhauses begann man gleich nach den Erscheinungen. Unterstützung zu diesem Werk erhielt Pfarrer Weichsel von den Pilgern. Doch das erste Gebäude erwies sich als zu klein. Im Jahr 1910 wurde dann ein neues Haus errichtet, das von Katharinenschwestern geführt wurde.

Heute befindet sich in Dietrichswalde das Johannes-Paul-II.-Pilgerhaus mit mehr als einhundert Übernachtungsmöglichkeiten.

 Ruf und Bedeutung erhielt Dietrichswalde durch seine Einwohner und die den Wallfahrtsort besuchenden Pilger. Dank ihrer wurde das Dorf in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zu einem geistigen Zentrum des südlichen Ermlands. Die Ermländer um Allenstein, Wartenburg (Barczewo) und Bischofsburg (Biskupiec) kamen hierher um geistige Nahrung zu erhalten.

Den größten Verdienst in der Verbreitung der Botschaft der Gottesmutter von Dietrichswalde muss man Pfarrer Augustin Weichsel (1830-1909) zusprechen, der dort fast 40 Jahre als Seelsorger tätig war. Bischof Jan Ob³±k schrieb über ihn, dass ihn die Dietrichswalder Erscheinungen tief bewegt haben, er sich mit ganzer priesterlicher Hingabe dem Dienst an den frommen Pilgern gewidmet und die Ereignisse aufmerksam beobachtet hat. Pfarrer Weichsel stammte aus einer deutschen Familie, die seit Jahren in Mehlsack (Pieniê¿no) ansässig war, doch unterstützte er auch die Polen in ihrer Bindung an den Glauben und die Muttersprache.
 

Während der Erscheinungen betreute er die Seherinnen und schickte sie ins St.-Josef-Haus in Pelplin. Mehrere Male wurde er festgenommen und es kam zu Gerichtsprozessen wegen der Verbreitung der Marienverehrung. Er zweifelte nie an der Wahrhaftigkeit der Aussagen von Justyna Szafrynski und Barbara Samulowski. Beide Seherinnen brachte er zunächst zu den Barmherzigen Schwestern nach Heilsberg (Lidzbark Warm.), später ins St. Josef-Haus in Pelplin, wo sie ihre Ausbildung vollendeten. Im Jahr 1880 traten beide in die Kongregation der Barmherzigen Schwestern ein. Justyna Samulowski legte die Ordensgelübde ab und nahm den Namen Stanis³awa an. Für einige Zeit war sie in Frankreich, dann wurde sie 1895 zur Arbeit nach Guatemala geschickt, wo sie viele Jahre die Leiterin des Hauptkrankenhauses war. Während des Erdbebens hat sie sich große Verdienste erworben, denn durch ihre Initiative wurden Baracken gebaut und sie selbst kümmerte sich um die örtliche Bevölkerung.

Den Dietrichswalder Erscheinungen gab der selige Kappuzinerpater Honorat Ko¿miñski aus Zakroczym (1829-1916) eine ganz besondere Bedeutung und verband sie mit der Situation des polnischen Volkes. Er betonte bei seinen Auftritten, dass die Ereignisse des Jahres 1877 ein Beweis für den Segen und die Gnade sind, die den Polen zuteil wurden. „Es wurde noch nie vernommen, dass die Gottesmutter so lange und so verständlich und noch dazu in so feierlicher Form erschienen ist“. Aber auch Bischof Philippus Krementz muss man seinen Verdienst zur Glaubwürdigkeit der Erscheinungen anrechnen. Er war es nämlich, der eine Kommission zur Untersuchung der Echtheit der Erscheinungen berief und der schließlich veranlasste, dass 1878 Franz Hiplers Arbeit: „Die Erscheinungen der Gottesmutter in Dietrichswalde für das katholische Volk nach den amtlichen Dokumenten“ in deutsch und polnisch veröffentlicht wurde.

Man darf auch nicht die nachfolgenden Pfarrer des Dietrichswalder Wallfahrtsortes vergessen: den Neffen von Pfr. Augustin Weichsel – Julius Weichsel (1909-1912), Pfr. Johannes Hanowski (1912-1924), Pfr. Hieronimus Nahlenz (1924-1935) und Pfr. Franz Klink, der 1946 verstorben ist. Jeder von ihnen hat sich der nach Dietrichswalde kommenden Pilger angenommen und sich um den Ausbau des Wallfahrtsortes bemüht.

Durch den Volksdichter Andrzej Samulowski wurde am 6. April 1878 in Dietrichswalde eine polnische Buchhandlung eröffnet, die er zunächst gemeinsam mit Stanis³aw Roman führte. In seinen Briefen an Zeitungen in den Provinzen Westpreußen und Posen regte er seine Landsleute zur Hilfe für die nationale Arbeit im Ermland an. Gemeinsam mit Jan Liszewski und Franciszek Szczepañski gründete er die „Gazeta Olsztyñska“, deren erste Ausgabe vom 25. März 1886 in Dietrichswalde gedruckt wurde. Auch gründete er hier 1892 den Volksverein St. Adalbert, der sich im Wahlkampf zum preußischen Parlament für die Stimmen für einen polnischen Kandidaten engagierte.

Bei der nationalpolnischen Arbeit unterstützen Samulowski: Antoni Sikorski, Bibliothekar des Volksbüchereivereins, der auch eine Buchhandlung führte und Gedichte schrieb, Jan Biega³a, dessen Kinder 1906 das Schulgebet in polnischer Sprache forderten, der Organist Jan Klatt, der von den preußischen Behörden inhaftiert wurde, weil er während der Erscheinungen nicht die Namen der ermländischen Priester genannt hat, die den Ortspfarrer in der Seelsorge unterstützt haben, W³adys³aw Chró¶cielewski, ein Aktivist des örtlichen Volksvereins, August Klimek, der 1920 die polnische Schule eingeführt hat, und die polnischen Kindergärtnerinnen Otylia Teszner, Maria Prey³owski und Maria Zientara, welche auch einige Gedichte zu Ehren der Muttergottes von Dietrichswalde verfasst hat.

  Die runden Jahrestage der Dietrichswalder Erscheinungen wurden immer feierlich begangen. Zum 50. Jahrestag, am 8. September 1927 kamen viele Pilger. Im Warschauer Neuen Archiv ist ein Bericht des polnischen Konsuls in Allenstein, Filip Zawada, vom 18. September 1927 erhalten. Darin teilt er mit, dass über 1.500 Personen aus Polen angereist waren, die von dem aus Schönbrück (Sz±bruk) stammenden Pfarrer Franz Rydziewski begleitet wurden, der damals Präfekt am Jungengymnasium in Dirschau (Tczew) war.  
Die Pilger wurden gleich hinter der Grenze in Dt. Eylau (I³awa) vom Konsulatsmitarbeiter W³adys³aw Pieniê¿ny in Empfang genommen und direkt nach Dietrichswalde geleitet. Die Predigt in polnischer Sprache hielt Pfarrer Walenty Barczewski auf dem Friedhof an der Kirche. Am nächsten Tag lud der Allensteiner Dechant Johannes Hanowski alle Geistlichen nach Allenstein ein. Auf diesem Treffen forderte Pfarrer Anton Baranowski aus Schönbrück eine größere Berücksichtigung der polnischen Sprache in der Seelsorge im südlichen Ermland. Der Konsul bezeichnete diese Begegnung der polnischen Priester mit den ermländischen Geistlichen als äußerst nützlich.

Eine große Verehrung für die Gottesmutter von Dietrichswalde empfand auch der polnische Primas Stefan Kardinal Wyszyñski, der den Wallfahrtsort viele Male besuchte; das erste Mal im Jahre 1950, dann bei jedem Besuch im Ermland. Am 10. September 1967, dem 90. Jahrestag der Erscheinungen, krönte er das Gnadenbild. Beim Anbringen der Krone sagte er: „Wir setzen auf Dein Haupt, Hl. Mutter des Ermlands, eine goldene Krone. Damit Du im Muttersein herrschst, knien wir vor Dir im Geiste der völligen Hingabe in Deine mütterliche Unfreiheit, um nur für Polen den Frieden und den Geist der Einheit zu sichern. Wir bitten Dich, lehre uns, uns der herrschenden Kraft des Evangeliums zu ergeben, der Liebe zu Gott und den Menschen, allen Anforderungen einer erfüllten Liebe. Wir wollen voller Vertrauen zu Dir kommen, auf dass Du immer wachest, immer annimmst, immer erhörst“. Gleichzeitig gab der Apostolische Stuhl die Erlaubnis für die Diözese Ermland, am 8. September das Fest der Muttergottes von Dietrichswalde mit eigenen Mess- und Breviertexten zu begehen. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Primas Wyszyñski an der Einhundertjahrfeier der Erscheinungen am 11. September 1977 nicht teilnehmen. Damals beteten die Pilgerscharen mit den Vertretern des polnischen Episkopats unter Leitung von Karol Kardinal Wojty³a: „Gedenke, o barmherzigste Jungfrau Maria, das noch niemals gehört wurde, dass Du jemanden verlassen hast, der in seinen Nöten zu Deiner mütterlichen Güte seine Zuflucht nahm. Voller Vertrauen auf die fürsprechende Macht Deines Herzens legen wir die Gesundheit Deines Dieners und unseres Primas in Deine gnädigen Hände. Sieh auf die Treue und die Hingabe, mit der er Dir in den langen Jahren seines priesterlichen und bischöflichen Amtes dient, und gib ihm wieder die Kraft, damit er Deinen Ruhm in den Tagen des Tschenstochauer Jubiläums miterlebt und die Kirche in Polen noch viele Jahre leiten kann“. Und die Genesung ist eingetreten.

Während der Feier wurde das Dekret des ermländischen Bischofs Józef Drzazga verlesen: „ Unter Beachtung der Übereinstimmung des Inhalts der Dietrichswalder Erscheinungen mit dem Glauben und der Moral, der Zuverlässigkeit der Vertrauten dieser Erscheinungen und der segensreichen Folgen der Dietrichswalder Erscheinungen im Verlauf eines ganzen Jahrhunderts, bestätigen Wir mit diesem Dekret zur größeren Ehre Gottes in der Heiligsten Dreifaltigkeit, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, zu Ehren der Allerheiligsten Gottesgebärerin und unbefleckt empfangenen Jungfrau, Kraft unseres ordentlichen Hirtenamtes in der Diözese Ermland den Kult der Erscheinungen der Gottesmutter in Dietrichswalde als nicht dem christlichen Glauben und seiner Moral entgegenstehend, da er auf glaubwürdigen Tatsachen beruht, deren übernatürlicher und göttlicher Charakter nicht ausgeschlossen werden kann!“

Bereits am 2. Februar 1970 hatte Papst Paul VI. der Kirche in Dietrichswalde den Titel  und die Würde einer „Basilica minor“ verliehen.

Ohne Dietrichswalde zu kennen ist es schwer die Seele und die Mentalität der ehemaligen Bewohner des südlichen Ermlands zu verstehen. Ihre Sitten waren eng mit dem kirchlichen Kalender verbunden, sie unterschieden sich durch eine echte Frömmigkeit und eine außergewöhnliche Verehrung der Gottesmutter. Das bestätigen die vielen in die Landschaft eingebetteten Wegkapellen und die Marienwallfahrtsorte in Springborn (Stoczek), Heiligelinde (¦wiêta Lipka), Krossen (Krosno) und eben Dietrichswalde mit seiner reichen geistlichen Botschaft.

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